Winter, Schwere und die Praxis dazwischen

Der Winter fühlt sich für mich oft schwer an. Weniger Licht, mehr Rückzug. Der Körper wird langsamer, der Geist neigt zum Aufschieben. Dinge, die mir sonst leichtfallen, brauchen plötzlich mehr Überwindung – auch meine eigene Yogapraxis.

Ich unterrichte jede Woche Yoga und dafür finde ich die Energie. Den Raum zu halten, präsent zu sein, meine Schüler:innen zu begleiten – das trägt mich. Doch wenn es um meine persönliche Praxis geht, beginnt im Winter oft ein inneres Verhandeln. Nicht aus Faulheit, sondern aus Müdigkeit.

Eine volle Stunde Yoga?
Mehrere lange Gym-Sessions pro Woche?
Manchmal fühlt sich das einfach zu viel an.

Die Praxis dem Winter anpassen

Ich habe gelernt, meinen Anspruch loszulassen – aber nicht die Bewegung. An manchen Tagen rolle ich meine Matte nur für ein paar Runden Sonnengruß aus. Vielleicht 12 oder 14. Danach 10 Minuten Sitzen, Atmen, Ankommen. Im Gym bleiben es im Winter oft 45 Minuten, ein- oder zweimal pro Woche.

Nicht perfekt.
Nicht vollständig.
Aber ehrlich.

Bewegung verändert den inneren Zustand

Was ich immer wieder erlebe:
Sobald ich meinen Körper bewege, verändert sich etwas in mir. Die Schwere lässt nach.
Der Kopf wird klarer. Der Winterblues verliert seine Dichte. Yoga erinnert mich daran, dass Körper und Geist miteinander sprechen. Wenn der Körper in Bewegung kommt, darf auch der Geist wieder weiter werden. Es braucht dafür keine langen oder intensiven Einheiten – nur die Bereitschaft, überhaupt zu beginnen.

Yoga im Winter darf leise sein

Im Winter ist Yoga für mich kein Ziel, sondern Begleitung. Keine Disziplin, sondern Fürsorge.
Kein „Mehr“, sondern ein liebevolles Genug. Ein bisschen Bewegung ist oft alles, was es braucht, um wieder Boden unter den Füßen zu spüren. Und von dort aus wird vieles leichter – nicht sofort hell, aber ruhiger. Tragbarer.

Eine sanfte Erinnerung

Wenn du dich im Winter müde fühlst, schwer oder blockiert:
Bewege deinen Körper. So wie es heute möglich ist. Ohne Druck. Ohne Bewertung. Manchmal ist genau das die Praxis. Und manchmal ist genau das genug.

Der Frühling kommt. Bis dahin dürfen wir uns selbst durch den Winter tragen – Atemzug für Atemzug, Bewegung für Bewegung. 🌿

mit Liebe
Ida Ryati